
ETF Sparplan für Anfänger: So legen Sie heute noch los
Jeden Monat etwas zur Seite legen, ohne das Geld auf einem Konto zu parken, das kaum Zinsen bringt. Für viele klingt das nach einem komplizierten Unterfangen. Dabei ist ein ETF Sparplan für Anfänger einer der zugänglichsten Wege, um langfristig Vermögen aufzubauen.
Dieser Artikel erklärt, was ETFs sind, wie ein Sparplan funktioniert, was er kostet und wie Sie in wenigen Schritten loslegen können. Ohne Fachjargon, ohne Vorkenntnisse.
Ihr Einstieg ins ETF Investieren: Warum überhaupt ETFs?
Wer anfängt, sich mit Geldanlage zu beschäftigen, stößt schnell auf eine Frage: Wohin mit dem Geld? Tagesgeld wirft wenig ab, Sparbücher noch weniger. ETFs sind eine der meistdiskutierten Alternativen, und das aus gutem Grund.
Was ETFs von klassischen Fonds unterscheidet
Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds. Das klingt technisch, ist aber schnell erklärt.
Ein klassischer Fonds wird von einem Fondsmanager aktiv verwaltet. Er entscheidet, welche Aktien gekauft oder verkauft werden, und versucht damit, den Markt zu schlagen. Dafür berechnet er entsprechende Gebühren.
Ein ETF macht das Gegenteil: Er bildet einen Index automatisch nach. Der bekannteste Index ist der MSCI World, der rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern enthält. Kauft man einen ETF auf diesen Index, investiert man mit einem einzigen Produkt in all diese Unternehmen gleichzeitig.
Kein Fondsmanager, keine aktive Auswahl, keine hohen Kosten. Die Verwaltungsgebühr eines ETF liegt typischerweise zwischen 0,1 und 0,5 Prozent pro Jahr, während aktive Fonds oft 1,5 bis 2,5 Prozent verlangen.
Das Wichtigste über ETFs auf einen Blick
ETFs sind an der Börse handelbar, genau wie einzelne Aktien. Sie sind breit gestreut, was das Risiko reduziert. Sie sind transparent, weil man jederzeit sehen kann, welche Unternehmen enthalten sind. Und sie sind kostengünstig, weil kein teures Managementteam dahintersteht.
Es gibt ETFs auf nahezu jeden Bereich: Weltaktien, Schwellenländer, Immobilien, Anleihen oder einzelne Branchen wie Technologie oder Gesundheit. Für Einsteiger empfiehlt sich ein breit gestreuter Welt-ETF als Ausgangspunkt.
Keine Angst vor dem Aktienmarkt
Ein häufiges Missverständnis: Viele halten ETFs für riskant, weil sie an der Börse gehandelt werden. Der Kurs eines ETF schwankt tatsächlich täglich. Das ist normal und kein Grund zur Panik.
Wer langfristig investiert, also zehn Jahre oder länger, hat historisch gesehen mit breit gestreuten Aktien-ETFs fast immer positive Renditen erzielt. Zwischenzeitliche Kursrückgänge gehören dazu und bieten bei einem laufenden Sparplan sogar einen Vorteil: Man kauft in Schwächephasen automatisch mehr Anteile zum günstigeren Preis. Dieser Effekt wird Durchschnittskosteneffekt genannt.
ETFs in Zahlen: Was ist historisch möglich?
Der MSCI World hat in den vergangenen 30 Jahren im Durchschnitt etwa 7 bis 9 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, nach Inflation und vor Steuern. Das ist kein Versprechen für die Zukunft, aber ein historischer Anhaltspunkt.
Ein konkretes Beispiel: Wer monatlich 100 Euro in einen ETF-Sparplan einzahlt und dabei eine durchschnittliche Jahresrendite von 7 Prozent annimmt, hat nach 20 Jahren etwa 52.000 Euro angespart. Eingezahlt hat er in dieser Zeit 24.000 Euro. Der Rest ist der Zinseszinseffekt, also Rendite auf bereits erzielte Rendite.
Nach 30 Jahren wären es bei gleichen Bedingungen rund 121.000 Euro bei einer Einzahlung von 36.000 Euro.
Sparplan oder Einmalanlage: Was passt zu Ihnen?
Wer ETFs kaufen möchte, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: eine Einmalanlage oder einen monatlichen Sparplan.
Einmalanlage bedeutet, einen größeren Betrag auf einmal zu investieren. Das macht Sinn, wenn Sie beispielsweise 10.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto haben und dieses Geld langfristig anlegen möchten.
ETF-Sparplan bedeutet, jeden Monat einen festen Betrag automatisch zu investieren. Bereits ab 25 Euro monatlich ist das bei den meisten Brokern möglich. Der Sparplan läuft automatisch und erfordert nach der Einrichtung kaum Aufwand.
Für Berufseinsteiger oder alle, die noch kein großes Startkapital haben, ist der Sparplan die praktischere Wahl. Er schult zudem die Disziplin, regelmäßig zu sparen, ohne jeden Monat aktiv eine Entscheidung treffen zu müssen.
Wer beides hat, also Startkapital und monatliche Sparmöglichkeit, kann auch kombinieren: Einmalig investieren und parallel einen Sparplan laufen lassen.
Das richtige Depot: Welcher Broker eignet sich für Einsteiger?
Bevor Sie einen ETF-Sparplan einrichten können, brauchen Sie ein Wertpapierdepot. Das ist das Konto, auf dem Ihre ETF-Anteile verwahrt werden.
So wählen Sie den passenden Anbieter
Für Einsteiger sind sogenannte Neobroker oder Direktbanken besonders geeignet. Sie sind kostengünstig, übersichtlich und lassen sich vollständig online bedienen.
Bei der Wahl des Brokers sollten Sie auf folgende Punkte achten:
Depotgebühren: Viele Anbieter führen das Depot kostenlos. Achten Sie darauf, dass keine versteckten jährlichen Gebühren anfallen.
Sparplangebühren: Manche Broker erheben eine kleine Gebühr pro Sparplanausführung, andere nicht. Bei kleinen Sparraten kann das ins Gewicht fallen.
ETF-Auswahl: Nicht jeder Broker bietet jeden ETF als Sparplan an. Prüfen Sie vorab, ob Ihre gewünschten ETFs verfügbar sind.
Benutzerfreundlichkeit: Gerade zu Beginn ist eine übersichtliche Oberfläche wichtig. Komplizierte Interfaces schrecken ab und führen zu Fehlern.
Ohne konkrete Broker namentlich zu empfehlen: Ein Vergleich über unabhängige Finanzvergleichsportale gibt Ihnen einen aktuellen Überblick über Konditionen und Anbieter.
Sparplan einrichten: So gehen Sie Schritt für Schritt vor
Schritt 1: Depot eröffnen
Die Kontoeröffnung läuft bei den meisten Anbietern vollständig online ab. Sie benötigen Ihren Personalausweis und eine Steuernummer. Die Identifikation erfolgt per Video-Ident oder PostIdent. Der gesamte Prozess dauert in der Regel weniger als 20 Minuten.
Schritt 2: ETF auswählen
Für Einsteiger empfiehlt sich ein breit gestreuter Welt-ETF. Bekannte Indizes sind der MSCI World (Industrieländer), der MSCI All Country World Index, kurz ACWI (Industrie- und Schwellenländer), oder der FTSE All-World, der ähnlich zusammengesetzt ist.
Achten Sie beim ETF auf zwei Dinge: Die Gesamtkostenquote, auch TER genannt, sollte möglichst niedrig sein, idealerweise unter 0,3 Prozent pro Jahr. Und der ETF sollte thesaurierend sein, das bedeutet, Dividenden werden automatisch reinvestiert statt ausgezahlt. Das maximiert den Zinseszinseffekt.
Schritt 3: Sparrate und Ausführungsdatum festlegen
Entscheiden Sie, wie viel Sie monatlich investieren möchten. Starten Sie lieber mit einem kleineren Betrag, den Sie sicher aufbringen können, als mit einer zu hohen Rate, die Sie nach wenigen Monaten reduzieren müssen.
Das Ausführungsdatum ist der Tag im Monat, an dem der Sparplan automatisch ausgeführt wird. Viele wählen einen Termin kurz nach dem Gehaltseingang, damit das Geld direkt investiert wird, bevor es anderweitig ausgegeben wird.
Schritt 4: Sparplan aktivieren und laufen lassen
Sobald der Sparplan eingerichtet ist, läuft er automatisch. Sie müssen nichts weiter tun. Kein monatliches Einloggen, keine Entscheidungen. Das ist einer der größten Vorteile gegenüber aktiver Geldanlage.
Was ETF investieren kostet und wie der Verkauf funktioniert
Kosten im Überblick
Beim ETF-Sparplan fallen in der Regel drei Kostenarten an:
Die laufende Verwaltungsgebühr, also die TER, wird direkt aus dem ETF entnommen und ist im Kurs bereits eingepreist. Sie zahlen sie nicht separat.
Die Sparplangebühr fällt bei der Ausführung an. Sie beträgt je nach Anbieter zwischen 0 und 1,5 Euro pro Ausführung oder einen prozentualen Anteil der Sparrate.
Die Ordergebühr fällt an, wenn Sie ETF-Anteile manuell kaufen oder verkaufen, also außerhalb des Sparplans.
Bei einem Sparplan von 100 Euro monatlich und einer Gebühr von 1 Euro pro Ausführung zahlen Sie effektiv 1 Prozent Kosten. Bei 200 Euro sind es nur noch 0,5 Prozent. Das zeigt: Höhere Sparraten machen prozentual gesehen effizienterer.
Wie und wann Sie ETF-Anteile verkaufen
ETF-Anteile können an jedem Börsentag verkauft werden. Sie geben im Depot einen Verkaufsauftrag auf, und der Betrag wird in der Regel innerhalb von zwei Werktagen auf Ihrem Konto gutgeschrieben.
Beim Verkauf fällt in Deutschland Abgeltungssteuer auf erzielte Gewinne an. Der Steuersatz beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag. Für Einzelpersonen gilt ein jährlicher Freistellungsbetrag von 1.000 Euro, für Paare von 2.000 Euro. Erteilen Sie Ihrem Broker einen Freistellungsauftrag, werden Gewinne bis zu dieser Grenze automatisch steuerfrei abgerechnet.
Typische Fehler, die Einsteiger beim ETF-Sparplan machen
Zu früh verkaufen: Wer bei fallenden Kursen in Panik gerät und verkauft, realisiert Verluste. ETFs sind für langfristiges Investieren gedacht. Kursschwankungen sind normal.
Zu viele ETFs kaufen: Ein breit gestreuter Welt-ETF ist ausreichend. Wer zehn verschiedene ETFs kombiniert, schafft oft unnötige Überschneidungen und Komplexität.
Kein Freistellungsauftrag erteilen: Wer das vergisst, zahlt auf die ersten 1.000 Euro Gewinn unnötigerweise Steuern.
Den Sparplan bei Kursrückgängen pausieren: Genau dann ist weiterlaufen lassen die richtige Entscheidung. Sie kaufen günstiger nach und profitieren beim nächsten Anstieg überproportional.
Zu spät anfangen: Der Zinseszinseffekt wirkt umso stärker, je länger der Anlagezeitraum ist. Jedes Jahr, das verstreicht, kostet bares Geld.
Fazit: ETF Sparplan für Anfänger als solider Einstieg ins Investieren
Ein ETF Sparplan für Anfänger ist kein kompliziertes Konstrukt. Er erfordert weder Börsenwissen noch täglich Kurse zu beobachten. Wer ein Depot eröffnet, einen breit gestreuten ETF auswählt, eine realistische Sparrate festlegt und den Plan konsequent laufen lässt, hat bereits das Wesentliche richtig gemacht.
Die größte Hürde ist meist der erste Schritt. Wer ihn heute geht, gibt dem Zinseszinseffekt mehr Zeit, zu wirken.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanzberatung dar.
Häufig gestellte Fragen zu ETFs
Wie viel Geld brauche ich, um einen ETF-Sparplan zu starten? Bei den meisten Brokern beginnen Sparpläne ab 25 Euro monatlich. Es gibt keine Mindestanlagesumme, die einen sinnvollen Start verhindert. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern die Regelmäßigkeit.
Sind ETFs sicher? ETFs sind Sondervermögen. Das bedeutet, sie sind rechtlich vom Vermögen des Brokers getrennt. Geht der Broker pleite, sind Ihre ETF-Anteile geschützt. Das Kursrisiko bleibt jedoch bestehen: Der Wert Ihrer Anteile kann schwanken.
Welcher ETF ist der beste für Einsteiger? Es gibt keinen objektiv besten ETF. Für Einsteiger hat sich ein breit gestreuter Welt-ETF auf Basis des MSCI World oder FTSE All-World als solide Grundlage bewährt. Niedrige TER und thesaurierende Ausschüttung sind wichtige Auswahlkriterien.
Was passiert mit meinem ETF-Sparplan, wenn die Börse crasht? Der Wert Ihrer Anteile sinkt vorübergehend. Das ist unangenehm, aber kein dauerhafter Verlust, solange Sie nicht verkaufen. Historisch haben sich Märkte nach Einbrüchen erholt. Wer seinen Sparplan weiterlaufen lässt, kauft in Krisenzeiten günstig nach.
Muss ich meine ETF-Gewinne versteuern? Ja. In Deutschland gilt die Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge. Der jährliche Freistellungsbetrag liegt bei 1.000 Euro für Einzelpersonen. Erteilen Sie Ihrem Broker einen Freistellungsauftrag, damit dieser automatisch berücksichtigt wird.
Kann ich den Sparplan jederzeit pausieren oder kündigen? Ja. ETF-Sparpläne sind flexibel. Sie können die Rate jederzeit anpassen, den Plan pausieren oder vollständig stoppen. Es gibt keine Vertragsbindung und keine Kündigungsfristen.
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