Die pauschale Empfehlung lautet seit Jahrzehnten: Drei Monatsgehälter zurücklegen. Das ist ein Ausgangspunkt, kein präziser Wert. Wer 4.000 Euro brutto verdient aber nur 1.200 Euro monatliche Fixkosten hat, braucht deutlich weniger als jemand mit 2.800 Euro Fixkosten und schwankenden Einnahmen als Selbstständiger. Dieser Rechner ermittelt den persönlichen Zielbetrag basierend auf tatsächlichen Kosten und Lebenssituation.

Wie funktioniert der Rechner?

Der Rechner arbeitet in zwei Schritten. Zuerst werden die monatlichen Fixkosten erfasst – alle Ausgaben die auch bei einem Einkommensausfall zwingend weiterlaufen. Im zweiten Schritt kommen individuelle Risikofaktoren dazu: schwankende Einnahmen (+2 Monate), Alleinverdiener (+1), Kinder (+1), Immobilieneigentum (+1), fehlendes Krankentagegeld (+1), laufende Schulden (+1). Die Basis sind drei Monate, das Maximum zehn Monate.

Der Aufbauplan zeigt mit konkreten Meilensteinen wie lange der Aufbau bei einer bestimmten monatlichen Sparrate dauert und wann Zwischenziele wie 25 oder 50 Prozent des Zielbetrags erreicht sind.

Beispielrechnung: Angestellter vs. Freelancer

Angestellter, unbefristete Stelle, keine Kinder, keine Immobilie, 1.600 Euro Fixkosten: 3 Monate × 1.600 Euro = 4.800 Euro. Freelancer mit Familie, Immobilieneigentum, kein Krankentagegeld, 2.400 Euro Fixkosten: 8 Monate × 2.400 Euro = 19.200 Euro. Der Unterschied von fast 15.000 Euro zeigt warum eine Pauschale für viele Menschen falsch dimensioniert ist.

Drei Monatsgehälter oder drei Fixkostenmonate – ein wichtiger Unterschied

Die meisten Ratgeber empfehlen drei Monatsgehälter als Notgroschen. Dabei ist die relevante Größe nicht das Einkommen, sondern die Ausgaben. Ein Notgroschen soll einen Einkommensausfall überbrücken. In dieser Zeit laufen nicht die Einnahmen weiter, sondern die Ausgaben.

Wer 3.500 Euro netto verdient und 1.400 Euro monatliche Fixkosten hat, braucht als angestellte Person ohne weitere Risikofaktoren rund 4.200 Euro – nicht 10.500 Euro (drei Monatsgehälter). Die überschüssigen 6.300 Euro könnten sinnvoller in einem ETF Sparplan arbeiten. Umgekehrt braucht ein Selbstständiger mit hohen Fixkosten und mehreren Risikofaktoren deutlich mehr als drei Monatsgehälter.

Wo den Notgroschen parken – und wo nicht

Das Tagesgeldkonto ist die Standardempfehlung und aus gutem Grund: tägliche Verfügbarkeit, Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Kunde, keine Kursschwankungen. Wer mehrere Banken nutzt kann den Betrag aufteilen und bei jeder Bank von der vollen Einlagensicherung profitieren – relevant erst bei sehr hohen Beträgen, aber gut zu wissen.

Das Girokonto ist zu leicht zugänglich. Psychologisch verschwimmt die Grenze zwischen verfügbarem Geld und Reserve. Ein separates Konto – idealerweise bei einer anderen Bank mit leicht verzögertem Transfer – schafft mentale Distanz und verhindert unbeabsichtigte Ausgaben.

ETFs, Aktien oder Kryptowährungen sind ungeeignet. Der Notgroschen soll dann verfügbar sein wenn er gebraucht wird. Krisen und Marktcrashs passieren oft gleichzeitig: Wer seinen Job verliert oder ein teures Gerät kaputtgeht, erlebt das häufig in wirtschaftlich schwachen Phasen – genau wenn Märkte unten sind. Dann wäre ein zwangsweiser Verkauf der schlechteste mögliche Zeitpunkt.

Festgeld bietet oft bessere Zinsen als Tagesgeld, ist aber für den Notgroschen ungeeignet weil es für eine feste Laufzeit gebunden ist. Es eignet sich höchstens für einen zweiten Puffer über den eigentlichen Notgroschen hinaus.

Der Notgroschen als Fundament, nicht als Ziel

Der Notgroschen ist kein Vermögen. Er ist der Boden auf dem Vermögensaufbau stattfinden kann. Wer keinen hat, riskiert bei jedem unerwarteten Ereignis in eine Abwärtsspirale zu geraten: Kredit aufnehmen, Investments auflösen, oder beides gleichzeitig.

Die richtige Reihenfolge im Finanzaufbau ist daher: Hochverzinste Schulden tilgen – was das kostet zeigt der Kredit Rechner –, dann Notgroschen aufbauen, dann investieren. Erst wenn der Notgroschen steht macht ein ETF Sparplan wirklich Sinn – weil dann sicher ist dass das investierte Geld nicht kurzfristig gebraucht wird und ein Crash einfach ausgesessen werden kann.

Wer bereits investiert ohne Notgroschen ist nicht unbedingt falsch aufgestellt – aber er trägt ein vermeidbares Risiko. Eine unerwartete Ausgabe von 2.000 Euro kann dazu führen dass Anteile in einer schlechten Marktphase verkauft werden müssen. Das ist teurer als die entgangene Rendite auf den Notgroschen.

Was tun wenn der Notgroschen angetastet wird?

Der Notgroschen ist nicht dafür gedacht einmal aufgebaut und dann nie wieder berührt zu werden. Er ist ein Puffer der genutzt werden darf – genau dafür ist er da. Der entscheidende Punkt ist was danach passiert.

Nach der Nutzung hat Wiederaufbau Vorrang vor allen anderen Sparzielen. Nicht sofort mit dem höchsten Betrag, aber konsequent und mit einem klaren Zeitplan. Der Rechner kann dabei helfen: Zielbetrag eingeben, vorhandenes Restkapital eintragen, Sparrate wählen – und der Aufbauplan zeigt wann der Notgroschen wieder vollständig ist. Wer parallel über den nächsten Schritt nachdenkt: Der Zinseszins Rechner zeigt was passiert wenn das Geld nach dem Wiederaufbau zu arbeiten beginnt.

Häufige Fragen zum Notgroschen

Wie viele Monatsgehälter oder Monate Fixkosten sollte der Notgroschen decken?

Die relevante Größe sind Fixkosten, nicht Gehalt. Als angestellte Person ohne besondere Risikofaktoren genügen drei Monate Fixkosten. Mit mehreren Risikofaktoren wie Selbstständigkeit, Kinder und Immobilieneigentum können sechs bis zehn Monate angemessen sein. Der Rechner berechnet den persönlichen Wert.

Wo sollte der Notgroschen liegen?

Auf einem separaten Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank als dem Girokonto. Täglich verfügbar, durch Einlagensicherung bis 100.000 Euro geschützt, keine Kursschwankungen.

Darf ich investieren bevor der Notgroschen aufgebaut ist?

Nein. Wer ohne Reserve investiert riskiert bei einer unerwarteten Ausgabe aus einem laufenden Depot verkaufen zu müssen – häufig in Marktphasen wo ein Verkauf besonders teuer ist. Notgroschen zuerst, dann investieren.

Ist der Notgroschen durch Inflation ein schlechtes Geschäft?

Tagesgeld bietet derzeit Zinsen die die Inflation teilweise ausgleichen können. Der Notgroschen ist keine Renditequelle sondern Versicherung. Die Kosten dieser Versicherung sind die entgangene Rendite gegenüber einem investierten Betrag. Diese Kosten sind bewusst zu akzeptieren.

Was ist wenn mein Notgroschen aufgebraucht wurde?

Wiederaufbau hat Vorrang vor allen anderen Sparzielen. Sparrate temporär auf den Notgroschen konzentrieren bis der Zielbetrag wieder erreicht ist, dann erst zurück zu anderen Zielen wie dem ETF Sparplan oder dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit.

Dieser Rechner ist ein Berechnungswerkzeug und stellt keine Finanzberatung dar. Die Empfehlungen basieren auf allgemeinen Richtlinien und sind keine individuelle Beratung. Für persönliche Empfehlungen wende dich an die Verbraucherzentrale oder einen zugelassenen Finanzberater.